Waldkobold at work. Fotos: Gudrun Sämann
Besucherstatements
Gruppe Lehrer, Kinder, Eltern am Grillplatz. Zwei Männer.
Fragen: Was sind denn das für Hüte?
Fasziniert: von der Vielfalt
Verstehen der Aufgabe: such dir einen Hut
Vertiefung, Versinken in der Aufgabe: erschaffe die Figur und eine Rolle/Identität
Fachsimpeln: über Hüte und Charaktere
„Ich würde den 80er Jahre Sonnenschutz nehmen, der gehört einem jugendlichen Tennisspieler…
Finish/Ergebnis: Verharren im Erfinder-Spiel
Das Statement zum Wald bleibt auf der Strecke
Frau
„Ich müsste ja ein Tier nehmen.“
Nimmt Reh-Maske. Gespräch über das Leben im Wald.
„Ja, hier gibt es Rehe. Nachts. Wir wollen nicht gestört werden.“
Mann und Frau:
Frau: „Ich trage nie Hüte.“ Setzt den schicken, schwarzen Hut auf. Ich habe keinen Hutkopf. Mir stehen Hüte nicht.
Mann: Hütemodenschau, probiert 6 Hüte durch. Alle sehen fantastisch aus. „Ich weiß.“
Er will aber nicht in die Hut-Modell-Szene wechseln.
Verschiedene Radfahrende:
„Guck mal da ist eine Wäscheleine.“
„Guck mal die Wäscheleine mit den Hüten.“
„Da ist eine Wäscheleine, das ist ja lustig!“
Frau ca. 50 mit Kamera: „Ich find das toll!“
Welchen Hut wählen: „Ich würde den Försterhut nehmen oder die Baskenmütze.“
„Der Wald? Was mich stört ist, dass die überall Taschentücher liegenlassen. Muss denn das sein!
„Ich bin ja auch eine die überall unterwegs muss, aber das geht ja auch mal ohne.“
„Warum ich im Wald bin – der Wald tut mir nämlich gut!“
„Es gibt ja Regeln, auf den Wegen laufen, gestern im Schwarzwald, gut, das war ja auch Bannwald.
„Einen Hut aufsetzen? Wer die denn wohl alles schon aufhatte.“
Setzt keinen Hut auf.
Ehepaar (60+)
Mann: „Wir haben schon Hüte auf.“
Frau: „Wenn, dann was gegen die Sonne. Den roten.“
Mann: „Da vorne gibt es wunderbare Walderdbeeren. Aber direkt am Wegrand.“
Mann: „Die Hunde. Und der Fuchsbandwurm.“
Frau: „Kräuterführungen kann man machen.“
Frau 2 (60+) kommt dazu.
Mann; „Brennnesseln. Die gibt es überall. Die Samen schmecken sehr gut auf Butterbrot. Und es hat auch noch was Gutes für den Mann.“
Frau 2: „Die habe ich auch im Garten.“
Mann: „Da gibt es ganze Felder, das wird von der Pharmaindustrie verboten.“
Frau 2: „Ich mache da Jauche von.“
Mann: „Das ist eine Riesenlobby.“
Frau 2: „Eine Bekannte hat diese Blumen.“
Mann: „ja wie heißen die nochmal“ beschreibt die Farben.
Frau 1: „Calendula.“
Mann : „Untergraben, das macht lockeren Boden.“
Frau 2: Die wachsen bei mir auch. Bei mir wird ja im Garten nicht gespritzt.“
Frau: „Da vorne, aus der Blume kann man auch was machen. Roter Klee, davon einen Tee kochen. Nur vom Roten.“
Mann: „Der ist inzwischen selten.“
Frau: „Gut für die Frauen, wenn sie ihre Menstruation und Beschwerden haben.“
Frau 2: „Mein ganzer Garten ist voller Wegerich. Der ist auch gut, hat mir eine Freundin erzählt.
Und da wird ja nicht gespritzt.“
Frau bringt Samen von Brennnesseln an.
Mann: „Die sind noch nicht gut.“
Radfahrerin (60+): „Ja, ich bin Radfahrerin. Da bräuchte ich einen Helm. Den habe ich schon auf!“
„Der Wald zur Erholung. Mein Sohn wohnt in HH der kommt aber jetzt zurück. Die fahren jetzt vermutlich an die Elbe. Und hier geht man sonntags in den Wald. So ist das wahrscheinlich. Ich bin Genussradlerin.“
Frau (ca. Ende 30): „Wandern im Wald. Da passt ein Wanderhut. Oder das Tuch.“
„Was ich gebe, nehme? Die Stille und die Luft. Die Abwesenheit der Stadtgeräusche.“
Auto und Flugzeuglärm im Hintergrund.
„Das ist Erholung für mich.“
Im Hintergrund auch Stimmen von Kindern, Erwachsenen.
Waldkobold: „Idealerweise“
Frau: „Idealerweise“
Mann (60+) liest Schild, Frau genervt, desinteressiert, bleibt mit Abstand stehen.
Gehen weiter, im Gehen, der Mann: „Wer hat den Hut auf. Was soll das bedeuten?“
Waldkobold: „Wer hat das Sagen, wer bestimmt vielleicht?“
Mann: „Aha! Na die Tiere natürlich.“
Waldkobold: „Ja, ist das so?“
Mann: „Klar, das ist normal.“
Waldkobold: „Ja, vielleicht. Früher war das vielleicht so.“
Schon an der Wegkreuzung:
Mann: „Ist das normal. Was ist schon normal…“ zur Frau: „Da lang geht’s zum Parkplatz.“
2 Radfahrer: „Die haben lauter Hüte aufgehängt.“
Gruppe Radfahrer: „Guck mal was da hängt! Die haben lauter Hüte aufgehängt.“
Kind: „Was ist das?“
Amerikaner mit Basecap aus Österreich (ca. 60):
Film Time am Platz. Dazu kommt ein Amerikaner:
„Ich brauche einen Wanderhut.“
Papier im Wald.
How long it takes to completely rot. You ought to take toilet paper. That´s better. No these kleenex.
This here, it has some meaning. This is more ART.
Paar, Rad (ca. 50+)
Rücksichtsvoll radeln.
Biker Fußgänger
„Mit den Sinnen. Bewegung und frische Luft. Stille. Sinnen“
Mann mit Rad und 2 Kinder, alle drei Helme.
Stehen schauen staunen, starren.
Frau: „Hexe, ich bin die Hexe aus dem Wald.“
Waldkobold: Was tust du?
Hexe: „Das ist geheim.“
Gedok Ausstellung
Haus des Waldes
Dokumentation: Der KunstBaum
Auf der Suche nach einem Platz für die Installation.
Noch feucht am Morgen, dennoch wird es warm werden.
Der Baumstumpf an der Wegkreuzung ist ein guter Ort.
Hier kann der KunstBaum installiert werden.
Der Stamm ist 80 cm hoch, der Durchmesser beträgt auch 80cm
Eine dicke Rindenschicht, teils mit Moosplacken bewachsen, umhüllt ihn.
Die Fläche ist glatt abgesägt. Sie liegt voller Blätter, auch um den Baum herum liegt viel Herbstlaub.
Zwei Sorten sind es: gelbbraun und braungrau.
Nur dieser Baum wurde gekappt, alle anderen rundherum sind hoch gewachsen.
Um den Baumstumpf herum gibt es Ranken, dornige Brombeeren, Farne, Äste, Zweige, Gestrüpp, nur ein paar, es lässt sich gut zu ihm gelangen vom Weg aus.
Mit Jacke, Mütze Maske wird der KunstBaum präpariert,
der Aufstieg ist leicht, die Höhe ideal.
Nun steht er da der Kunstbaum, die Maske seitlich rechts, dem Waldbesucher zugewandt.
Ein Tag des Stehens steht bevor.
Der Baum fühlt sich ein in die Rolle, doch es bleibt wenig Zeit. Mittag ist es schon fast, die Menschen sind da. Einzelpersonen, Paare, Hunde, Familien, zu Fuß, mit und ohne Kinderwagen, per Fahrrad, mit Walking-Stöcken, Bollerwagen, jede Gruppe hat andere Utensilien dabei.
Jede*r Besucher*in produziert andere Energie.
Der KunstBaum spürt jede*n. Als heranrollende Bodenwelle, als Schallwelle.
Alle Geräusche, viele Gerüche, entfernt sind auch Autos zu hören, selbst deren Abgase schaffen es manchmal und wabern über seinen Standplatz hinweg.
Der KunstBaum steht auf dem Stamm und spürt.
Und lauscht. Und fühlt.
Rechts sieht er nichts, da ist die Maske, aber von rechts kommen die meisten Energien. Es sind zumeist Beeinträchtigungen. Mit der versperrten Sicht fühlt er sich eingeschränkt, behindert, kann nicht sehen, wer, was da kommt, kann sich nicht vorbreiten, weggehen schon gar nicht.
Eine Frau sagt:
"Das Gute am Baum ist doch, er hat starke Wurzeln und kann sich obenrum bewegen."
Ja, das ist sein Schicksal. Wäre es besser anders herum?
Der KunstBaum steht und erneut lärmt eine Gruppe heran, verharrt: am Kunst-Info-Schild oder wo sind sie denn gerade, sie kamen noch nicht in sein Blickfeld, aber sie sind zu spüren? Die Energie staut und drängt sich gegen ihn, es ist beklemmend, die Menschen tragen Stadt mit sich herum. Der Kesselinhalt ist hochgeschwappt – aufgekocht, übergekocht und ausgelaufen. Der Sonntagsauslauf. Ein Auflauf im Wald.
Der KunstBaum fühlt sich angestrengt, gestresst. Er will nicht mehr wissen wer wo ist wer kommt, er will sich abwenden und seine Sinne verschließen, schützen, etwas Anderes fällt ihm nicht ein.
Die Menschen sind machtvoll vereinnahmend, sie besetzen und beschallen seinen Lebensraum, sie stören ihn massiv, schon ihre Schritte, ihre Räder senden Bodenwellen, die in den Baum hineinlaufen wollen, anrollen wie ein Meer, anstoßen am Stumpf, der Baum will sie abschütteln, aber bewegen kann er sich ja nur oben herum, es nützt nichts, das Menschenenergiegedränge schwillt noch an und an, Stunde um Stunde, es gibt keine Ruhe. Aus der Nähe aber auch aus der Ferne. Stimmen, Geräusche Rufe Gerüche, auch die Menschen riechen. So oder so alle anders. Zwischendurch Grillfleischgeruch, später Maultaschen, Bratkartoffeln, auch Zigarette zieht vorbei. Woher, wohin?
Und die Menschen. Sie kommen stehen und gehen oder gehen ohne zu stehen, manche wollen sprechen, der KunstBaum ist nicht bereit und dann doch redselig, er wedelt und wächst, zeigt, wer er ist was er kann und fragt was er braucht, manche kommen drauf andere nicht der Baum steht dann wieder da und harrt aus auf dem stumpf, da sind schon wieder welche, das Klackern der Stöcke, das Knirschen und Knatschen der Reifen von Kinderwagen und Fahrrad und kein Ende in Sicht.
Die Sonne ist hinter den Wolken hervorgekommen. Der KunstBaum ist noch lange im Halbschatten, es ist kühl. Die Feuchtigkeit hat sich länger gehalten als gedacht, kalt ist es am Hals, der Baum freut sich als um 16:30 Uhr die Sonne endlich herumkommt und ihn wärmt, die Spaziergänger sind schon auf dem Rückweg, sie haben ihre Wochenenergie abgelaufen, auserzählt, es ist viel ruhiger im Wald. Langsam lassen sie ihren angespannten Alltag, die ganze Woche hinter sich. Ein Mann wird zum Kind, spielt Wolf und heult seine schaurigen Töne in der Ferne ist sein Rudel, er vergisst, wer er war. Auf einmal: die Amsel. Sie jubiliert. Der Baum eine Kathedrale. Ein Waldkonzert mit Topakustik.
Der KunstBaum entspannt sich und entfaltet seine Sinne und wedelt mit seinen Ästen im Sonnenlicht und Schatten spielt er seine Rolle dem Ende entgegen, nur noch vereinzelte, interessierte Besucher*innen kommen, sechs schwere Pferde mit Reiter*innen, im langsamen Schritt, Trott, Klirren der Geschirre, Künstleranhang kommt, Gespräche werden auch aus der Rolle heraus geführt, der KunstBaum steigt vom Sockel herab und verschenkt seine Hüte, los wird er nur den Motorradhelm, noch einmal hoch auf den Stumpf für ein Foto.
Er ist müde, nicht vom Tag, nicht vom Stehen, von den Menschen, die kommen und gehen und nicht wahrnehmen, nicht still werden und schauen.
Bis auf Wenige, Waldgenießer*innen.
Die wie immer herumrennen und sich mit sich beschäftigen und jetzt schon wieder aufdrehen auf dem Weg zum Auto, auf dem Weg runter in die Stadt, auf dem Weg in die nächste Arbeitswoche. Vollgepackt.
Bis auf Wenige - Waldmeister*innen vielleicht.
Waldbegehung als Begegnung und Besinnung denkt der KunstBaum. Wie geht das?
Wald wirkt. Auch ohne Kunst. Aber manchmal darf es auch Kunst im Wald sein.
Der KunstBaum steigt hinab und aus seiner Rolle, die Bäume bleiben stehen, verwurzelt und groß warten sie auf die Nacht, die Stille -
...und die Tiere, die da rascheln und rufen und raufen und rauben und reißen und und und...
Dokumentation Besuchende
Der Baum steht erhöht auf einem abgesägten Baumstumpf, mit Maske und Mantel.
11:00 – 17:00 Uhr
Besucherstatements
1
Mann, Frau, ü 60, Nordic Walking.
Frau: Da hängt was
Pause
Baum: Hallo! Das ist eine Kunstaktion, es sind dazu überall Schilder aufgehängt.
Frau: Wo überall?
Baum: Am Weg und am Eingang des Parcours vom Haus des Waldes,
Frau: Wo genau?
Baum: Na, auf dem Weg, überall, hierhin.
Frau: Das ist was anderes. Überall ist im ganzen Wald.
Frau: Und was gibt es da? Wo ist das denn?
Baum: Kunst. Entlang des Weges. Am Parcours des Haus des Waldes. Wenn sie dort gehen…
Mann und Frau walken weiter.
2
Kind zu Elternteil: Guck mal, ein Baum
3
Kind zu Elternteil: guck mal
Eltern lesen das Schild.
Baum: Hallo, ich bin der Baum
Kind: der kann sprechen
4
Zwei Frauen, jung mit Kamera (JF), alt mit Ranger outfit(AF):
JF: darf ich fotografieren?
AF: Da ist kein Schild.
Baum Ja.
Doch, das Schild steht dort.
AF: Ich dachte das andere ist die Ausstellung zeigt auf kleine Kiste, Picknickdecke, Fenchelknolle am Wegesrand.
Baum: Nein, das habe ich da vorhin nur abgelegt.
Passt aber auch.
AF Ich bin hier jeden Tag. Ich bin Tagesmutter. Für Krippenkinder. Hier ist immer viel los. Ich arbeite ehrenamtlich hier.
5
Zwei Frauen Anfang 40, lesen das Schild,
Frau: Darf ich die Wolfsmaske mal aufsetzen?
Baum: Oh ja. Hallo Wolf. Lebst du hier? Geht es dir gut?
Frau wird zum Wolf und fängt an zu spielen. Die Freundin filmt.
6
Frau ca. 60: Kann man die aufsetzen? Ich setze mal diese Mütze auf. (blau-weiße mit Bommel)
Baum: Wieso gerade diese?
Frau: Die ist am skurrilsten
Baum: Was ist denn ihr Statement? Das ist ja ein Rollenspiel hier. Wer hat den Hut auf heißt der Titel. Also: was wünschen sie dem Wald? Oder was denken sie über den Wald? Mit dieser Mütze.
Frau: Die ist so besonders.
7
Mann Frau ü 60: Wir kommen zur Erholung in den Wald. 3x pro Woche. Wir wohnen 3 Minuten vom Wald entfernt.
8
Paar. Schaut, kommt, Frau geht seitlich zu Gebüsch, fasst Blätter an. Gehen weiter.
8a
Paar mit Bollerwagen, auseinander gezogen. Vater vorne, Mutter zieht beladenen Wagen dicht hinter ihm, 20m weiter Kind ca. 15, behindert, recht korpulent, greint laut vor sich hin, 5m nach ihm ältere Schwester oder Tante Anfang 20
Vater redet vor sich hin, ruft dann laut und ärgerlich: immer musst du zinken
Sohn greint weiter, lauter,
Vater wieder, alle gehen weiter.
9
Paar schaut.
Baum: Hallo, ich bin der Baum.
Mann und Frau: Ach, jetzt haben wir keinen Fotoapparat dabei. Das wäre ja das Foto des Jahres.
Baum: Was bedeutet der Wald für sie? Wie nutzen Sie den Wald?
Mann und Frau schweigen.
Baum: Wozu nutzen Sie den Wald, was machen sie im Wald?
Beide: Na. Pause. Erholung. Spazierengehen. Waldbaden. Aber manche nutzen den ja anders. Zum Radfahren, auch downhill. Da gibt es auch extra Anlagen. Wenn sie drauf bleiben ist es ja gut.
Baum: Und was erleben sie im Wald?
Beide: Der Wald ist immer schön. Es gab noch nie einen Weg in einem Wald, der nicht interessant war. Die Bäume, das Licht, irgendwas gibt es immer zu sehen. Wir sind oft hier aber auch woanders.
Mann: Kennen sie den Venusberg
Frau: Wir sind oft auch am Venusberg. Das ist bei Aidlingen. Das ist mehr offene Heidelandschaft.
Beide: Bei Sindelfingen. Da müssen sie mal hin.
10
Zwei Jogger. Die eine: da steht was. Der andere: oho. Na klar.
11
Frau: …das sind so Erlebnisse, wenn man immer dieselben Wege geht und auf einmal den Weg andersrum, das ist total anders. Man erkennt gar nichts wieder.
Mann: ich gehe 1-2x pro Woche in den Wald.
Frau: Ich drei bis vier mal.
Mann: Da ist es so laut, wo ich wohne, es ist direkt an einer Straße, nicht so weit von hier. Da ist das für mich richtige Erholung im Wald.
12
Französische Familie: Vater, Mutter, 2 Töchter ca. 14
Baum: Wie oft seid ihr im Wald?
Mutter spricht, stockt: zwei mal in der Woche.
Vater: 2-3 mal pro Woche, zum Joggen.
Mädchen: Nie.
Anderes Mädchen überlegt: Ich gehe jeden Tag so 10 Minuten durch den Wald.
Vater: ihr seid beide doch jeden Tag im Wald, zur Schule geht es durch den Wald.
Baum: Trefft ihr euch auch mal mit Freunde im Wald?
Vater: Ich habe keine.
Mutter: Seit Corona ist das viel mehr geworden bei mir. Ich treffe mich auch mit Freundinnen im Wald. Zum Spazierengehen.
Vater: keine Zeit habe ich dafür, meine ich.
Mädchen: nein eher nicht
Anderes Mädchen: doch ich habe mich schon mal mit einer Freundin getroffen. Aber wir treffen uns eigentlich woanders.
Baum: ist der Wald für euch interessant:
Beide Mädchen: nein
Baum: Und heute?
Mädchen: ja doch, am Wochenende. Oder in den Bergen. Das schon.
13
Frauen mit Walking-Stöcken Mitte 50:
Die eine: Toll. Das ist ja ein tolles Projekt. Ich bin morgen auch hier. Mit meiner Klasse. Das Programm machen wir. Am Teich. Da waren wir letztes Jahr auch schon, bei dem Programm. Toll. Das war ganz toll mit dem Teich. Den haben wir saubergemacht mit den Kindern, die waren voll dabei. Die andere Frau geht weiter. Das ist eine Grundschule aus Degerloch. Die haben auch alles angefasst, auch das Glitschige, das ist ja manchmal für Kinder nicht so, aber die waren alle voll dabei. Überhaupt, der Wald ist so toll. Da in Stuttgart, Straßen ohne Bäume. Das kann man gar nicht nachvollziehen. Ich komme aus Berlin. Jetzt bin ich, zählt, siebzehn Jahre hier. Das hat lange gedauert bis ich mich eingewöhnt hatte. Die Menschen hier sind ganz anders. Ja. Morgen bin ich wieder hier.
14
Jogger
Mann: links!
15
Familie
Eine/r: hier rechts.
16
Baum steht still. Vier Kinder. Wo ist das? Vater liest und erklärt.
Baum: Hallo. Ich bin der Baum. Was braucht der Wald, damit es ihm gut geht?
Kinder melden sich: Wasser! Sonne! Wurzeln! Regen!
Baum: Was macht ihr im Wald am liebsten?
Junge: Stöcke sammeln. Ergänzt: ich hatte schon einen. Erzählt, was er damit vorhatte.
Baum: Aber jetzt hast du keinen. Wo ist er denn?
Junge: Den habe ich aber wieder verloren.
Baum: Es gibt ja genug Stöcke hier. Was habt ihr hier schon gesehen? Welche Tiere wohnen hier?
Mädchen: schweigt. Guckt den Baum an. Der Baum steht und häkelt.
Junge: Rehe, Hirsche, Eichhörnchen Vögel. Wildschwein!
Erzählen, was sie alles vom Wald wissen.
Pause.
Baum: So wächst der Wald, wenn alles gut ist
Baum wächst.
Baum: Viel Spaß im Wald!
Es geht weiter. Drei Kinder suchen Stöcke.
Der Baum verliert ein Wollknäuel. Es fällt zu Boden.
Das Mädchen kommt zurück und hebt es auf.
14
Kindergruppe prescht heran. Gehen in das Mützenareal, drängelt ins Unterholz.
Junge: Da! Ein Reh!
Mädchen: Ein Reh!
Anderer Junge: Da hinten!
Sie pirschen sich ran.
Junge: Och das ist nicht echt. Das sind nur Skulpturen.
14a
Es riecht beißend nach Grillfleisch
15
Mädchen: Was macht die Frau?
Baum: Hallo ich bin der Baum
Mädchen: Das ist doch gar kein Baum. Das sieht man.
16
Mann bzw. Sohn Ende 40, Mutter Ende 70
Baum: Hallo, ich bin der Baum. Wie oft gehen sie in den Wald?“
Mann: Zeigt einen Finger.
Baum: Am Tag? In der Woche? Im Jahr?
Mann: Im Monat. Aber wenn man es genau nimmt ich bin viel im Wald, aber es ist mein Grundstück. Es ist ein Schrebergarten, den habe ich übernommen. Und da sind Bäume. Alles wurde der Natur überlassen. Da mache ich viel und das ist auch Erholung. Und wenn man nur ein bisschen macht, das dauert. Und die Bäume sind groß, so wie der oder der. Zeigt. Wenn man nicht alles radikal umgräbt, das kommt immer wieder, das wächst schnell. Jedes Jahr fragt man sich. Die Brennnesseln, die Brombeeren, Farne…
Mutter du musst dazu sagen – zeigt es mit der Hand. da geht es so steil hoch
Bau: und wie oft sind sie im Wald?
Frau: einmal im Monat. Immer wenn er mich mitnimmt. Zeigt auf Sohn. Bei mir ist auch Wald aber weit oben. Da fährt kein Bus. Und mit dem Auto ist es auch nicht gut. Da geht man nicht zwei Stunden hoch.
Sohn: Mit dem Auto in die Weinberge? Seit wann machst du denn sowas?
Baum: Dann ist heute ein besonderer Tag, ein Waldausflugstag.
Beide: ja.
Baum: Dann noch viel Spaß!
17
Es raschel- klackert im Unterholz. Nach einer Weile kommen Frau und Hund heraus auf den Hauptweg. Hundeleine schleift am Boden. Frau am Handy, schaut rein. Hund läuft vorneweg, Leine schleift, Frau läuft hinterher, schaut ins Handy, hier, Randy, hier, Hund läuft weiter, Leine schleift, Frau am Handy schaut rein, komm hier Randy, Hund läuft weiter.
18
Frau: Jetzt hab i denkt sie gehöret dazu.
Baum: Ja. Aha. Was tut ihnen denn gut im Wald?
Frau: Die Aura.
Und was tut dem Wald gut?
Frau: Alles. Die Überraschung.
19
Frau liest, kommt heran, steht mit untergeschlagenen Armen (Brezel), guckt.
Baum: Hallo ich bin der Baum. Was tut ihnen denn gut im Wald? Wozu kommen sie in den Wald?
Frau: Loslassen. Waldbaden. Pause. Hab ich noch nie gemacht. Aber auch keinen Drang.
Baum: Und mit wem gehen Sie in den Wald?
Frau: Alleine, manchmal zu zweit
Baum: Und welchen Hut würden sie aufsetzen?
Frau: Geht näher ran. Die Baskenmütze, aber die ist eingelaufen. Die ist zu klein. Sieht aus wie gefilzt. Vielleicht mal gewaschen. Geht durchs Gestrüpp weiter an der Leine entlang. Befühlt den Häkelhut. Und sie verwerten wirklich alles? Kommt wieder auf den Weg, verschränkt die Arme wieder.
Baum: Ja
Frau: Und was stricken sie da?
Baum: Weiß ich noch nicht.
Frau: Und die Jacke, wussten sie das vorher auch nicht?
Baum: Am Anfang nicht
Frau ist das alles aneinander gehäkelt bei der Jacke?
Baum: Ja, das Meiste.
Frau: Und woher haben sie die Wolle?
Baum: Reste, geschenkt, gefunden, verschieden. Manchmal auch eigene Reste.
Frau: Das ist ja interessant. So habe ich das noch nie gemacht.
Baum: Das ist viel entspannender als nach Muster zu arbeiten.
Frau: Und sie haben dazu gar keine Pläne?
Baum: Nein.
Frau: Wirklich nicht.
Baum hebt Arm: Hier zum Beispiel das Graue was am Ärmel hängt, ist die Stadt. Ein Parkplatz vielleicht. Wenn ich die Jacke mal so anziehe nähe ich es vielleicht noch fest. Vielleicht auch nicht.
Frau: Haben sie die Jacke gar nicht für hier gehäkelt?
Baum: Erst nicht, dann schon.
Frau: Wollten sie erst was anderes machen?
Baum: Es gab keinen Plan am Anfang. Und dann habe ich es für die Ausstellung gemacht.
Und wie oft sind sie jetzt im Wald?
Frau: Zweimal, dreimal. Ich komme ja von weiter weg.
Baum: Woher denn?
Frau: Stuttgart.
19a
Es riecht intensiv nach Bratkartoffeln
20
Familie, Trappeln von vielen schnellen Füßen
Stehen am Schild
Jemand: lies vor!
Stehen am Ausstellungsplatz
Kind: Was ist denn das?
Baum: Das ist Hirsch.
Kind. Nein, daneben.
Baum: Eine Schirmkappe.
Kind: Warum ist das oben offen?
Baum: Das ist, um Schatten nur um die Augen herum zu haben
21
Eine dicke Mücke surrt heran
22
Kind: Oh, look at this!
23
Frau und Mann Ende 40, Kinderwagen
Baum: Hallo ich bin der Baum.
Frau: Er versteht nur englisch.
Baum erklärt die Aktion auf englisch. Verteilt einen Lageplan.
Baum: 45 Minutes left, if you start now, you can see it all.
24
Gruppe: 6 Erwachsene, viele Kinder u6
Kind: was ist das?
Alle laufen weiter, viel Lärm. Gruppe kommt nach ein paar Metern komplett zurück. Erwachsene reden. Kind geht auch vorbei, dreht sich um: was ist das?
Gruppe geht vorbei.
25
Frau, ca. 70 mit Dackel an der Leine.
Frau kichert: hih!
26
In der Ferne im Wald:
Ein Mann macht jaulende Wolfsschreie
27
Zigarettenrauch zieht zum Baum
28
Zwei Menschen
Frau: Oh, da! Darf ich ein Foto machen?
Baum: Was braucht der Wald?
Frau: Vielfalt! Er zeigt auf Mann war jetzt in einer Gegend mit Waldsterben.
Baum: Das ist heute eine Kunstaktion. Es gibt noch mehrere Stationen.
Frau: Oh cool!
29
Mehrere Pferde mit Reitern kommen vorbei
30
Mann: Max, wir wollen ZU-RÜCK. JETZT!
31
Die dicke Mücke ist wieder da.
32
Familie kommt, alle schauen, eine fragt: der Junge will wissen ob man die Helme aufprobieren darf.
Baum: Ja klar. Willst du den Motorradhelm?
Junge setzt mit Hilfe den Helm auf.
Baum: Weißt du was, wenn du magst, darfst du ihn behalten.
Mutter sagt: Bedank dich.
Junge: Danke